Flucht vor Spaniern und kühle Bergluft

Ola, ja es gibt mich noch, euren Svenni.

Wir sind auf Reisen, nicht auf der Flucht. Dachte ich zumindest. Als Fluchtauto bin ich ja auch ziemlich ungeeignet, da holt mich ja jede halbwegs fitte Fahrradstreife ein.

Trotzdem war unser Abschied aus Portugal so ähnlich wie ’ne filmreife Szene mit U-Turn und quietschenden Reifen. Eigentlich war der Plan, den Algarve von Ost nach West bis nach Sagres zu fahren. Der Ort hat zwar ausser dem Namen nichts mit dem gleichnamigen Bier zu tun, aber die beiden wollten dort ein Bierchen trinken und Richtung Amerika schauen. Ich hätte mal den Bullifreunden dort in Kalifornien mit dem Blinker winken können.

Na ja, das nächste Mal, bestimmt. Dann kommen wir wieder nach Portugal, wenn nicht gerade Hauptferiensaison ist. Das mit den Ferien ist ein lustiges Spiel. Auf den Campingplätzen in Portugal war es knallvoll mit Spaniern, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als Fisch zu grillen. Weil man das in Portugal wohl so macht. Als wir dann vor diesen Spaniern nach Spanien geflüchtet sind, waren dort lauter Franzosen, die Fleisch gegrillt haben. Weil man das in Spanien wohl so macht. Mal sehen, wie es jetzt demnächst in Frankreich wird. Sind dort die Portugiesen und grillen Rohmilchkäse? Ich werde berichten.

Wie auch immer, der Typ hat mich wieder auf’s spanische Hochland raufgetreten und wir durften dort so wundervolle Städtchen wie Carmona, Guarroman, Tarrega und Terrassa kennenlernen.

Der Knaller war dabei aber auf jeden Fall Guarroman. In der größten Mittagshitze sind die Drei da von der Autobahn ab, um den Kleinen mit Brei und Windel zu versorgen. Das Städtchen dabei wie im Mittagsschlaf, eine Hauptstraße, eine offene Bar, in der die Dorfirre Cola mit was drin getrunken hat, und sonst nichts ausser Hitze und Staub. Allerdings hat der Typ mit diesem Internethanddingens herausgefunden, dass es an dieser Hauptstraße auch ein ordentliches Hotel mit Whirlpool gibt. Nachdem die Drei dreimal die Straße hoch und runter sind, haben die das auch gefunden (sind natürlich jedesmal dran vorbeigelaufen) und haben dort eingecheckt. Wunderbar muss das gewesen sein. Den Whirlpool gab es zwar in dem Zimmer nicht, dafür aber klasse Betten und eine richtige Dusche. Und kühl war es dort, weil so ein alter Palazzo halt von Leuten gebaut wurde, die noch was davon verstanden. Nicht so nen 08/15-Betonding, sondern passende Architektur für die Hitze dort.

Ich musste allerdings draussen warten und schwitzen.

Abends wurde es dann plötzlich laut. Die Leute von der Bar haben riesige Musikboxen auf die Straße gestellt, Tische und Stühle vor die Bankfiliale nebendran, und dann war nix mehr mit Siesta, es war Fiesta. Und plötzlich sind die 2000 Einwohner von Guarroman aus ihren Häusern gekommen, haben gegessen und getrunken und gefeiert. Richtig lebhaft war das. Und für die Kinder gab es Kutschfahrten, die Hauptstraße hoch und runter. Das war schön, denn diese Dinger mit ihren zwei PS vornedran sind mal nicht schneller als ich!

Tja, aber dann ging es weiter im Eiltempo einmal quer durch Spanien. An Madrid sind wir vorbeigerauscht, Barcelona war das Ziel, und wir haben es auch geschafft. Zwischendurch mal noch ein Autobahnhotel im spanischen Nichts und einmal Freistehen auf so einem Platz, wo ein Wohnmobil neben dem anderen rumsteht und sich die Leute bestmöglich aus dem Wege gehen.

Überhaupt, spanische Autobahnraststätten und Hotels, das wäre mal ein Thema für sich. Vor allem die Hotels, die es gefühlt alle 500 Meter gibt, kann man in allen Lebenszuständen erleben. Von der nie fertiggestellten Bauruine über verlassene Geisterhäuser bis zu Steinhaufen im letzten Verfallsstadium . Da muss man echt suchen, bis man eines findet, in dem man ein Zimmer mieten kann. Zum Glück haben die eines gefunden, wo es auch eine nette Bar und was zu Essen mitten in der Nacht gab.

Svenni vor einem Autobahnhotel der Sorte verlassenes Geisterhaus.

Ansonsten bin ich jetzt auch Freisteher. Ja, darauf bin ich ein bisschen stolz! Schon in Tavira im Algarve haben die das ausprobiert, und es hat nun funktioniert, weil der Typ in mir ein bisschen umgeräumt hat. Passt nun alles rein, auch wenn alle Betten ausgeklappt sind. Das ist ziemlich praktisch, und ab und an einfach gut, irgendwo zu stehen und zu schlafen.

Freistehen in Carmona. Parkplatz direkt unterhalb der Altstadt.
Was ein Car ist, weiss der Svenni. Aber eine Carnisseria?

Ja und nun stehe ich in Solsona. Das ist so kurz vor den Bergen zwischen Spanien und Frankreich. Ich freu mich, mal richtig durch diese Pyrenäen fahren zu dürfen. Das werden bestimmt ganz tolle Straßen mit vielen Kurven. Und es ist hier nicht so heiss. Ich denke, dass passt für uns alle.

 

 

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