Heiss und kalt, Lärm und Stille

Habt kein Mitleid mit mir, der Svenni kann die Ohren einfach einklappen. Meine Mitfahrer können das wohl leider nicht, und müssen gerade schlechte, so richtig ganz schlechte Disco-Mucke aus einem lang vergangenen Jahrzehnt ertragen. Und das mitten in der Nacht. Bei brütender Hitze. Campingplatz mit Animation nennt sich das. Wobei die Disco vermutlich nur den Lärm kanalisiert, den die Jugendgruppe hier auch ohne Musik aus der Zeit vor ihrer Geburt machen würde.

Dabei war es so schön ruhig. Bevor ich mich hier auf den Tanzschuppenparkplatz stellen musste, durfte ich oben auf einem sanften toskanischen Bergrücken relaxen. Kein Zivilisationslärm weit und breit, nur die Hühner gackerten um meine Reifen herum. Und Ziegen meckerten. Alle voll Bio natürlich. Selbst der adoptierte Straßenköter Hilti frass nur Bioabfälle der selbstgekochten Bio-Essen der Bio-Gäste. Erholung pur, nur für mich nicht ganz. Denn als wir weiterfuhren, hatte ich eine kleine Nutzlast in Pappkartons aufnehmen müssen. Gut verpackte Glasflaschen mit Wein mal wieder. Alles Bio natürlich. Wie mein Diesel übrigens auch. Als der durch Druck und Zeit von Bäumen in Öl umgewandelt wurde, gab es zwar noch kein Bio, aber alles war bio. Und damit ist es mein Treibstoff doch irgendwie auch. Auch ganz ohne Label und Zertifikat.

Svenni musste zwar nicht auf dem Misthaufen parken, wurde aber von Hühner belagert und begaggert.

Und das schöne an den toskanischen Hügel ist nicht nur die tollen Entspanntheit der Landschaft und der Leute. Es ist auch einfach kühler und trockener, als an der schwitzenden, stickigen Küsten.

Mein Kennerblick auf den Hof des toskanischen Bioweinguts, kurz bevor die Kisten in mir verschwanden.

Nun denn, es gibt Wichtigeres und deswegen stehe ich nun schwitzend, nicht nur wegen meiner dezenten Tanzbewegungen zur Discomucke (kenne ich übrigens alles schon aus meinem 33 Jahre altem Autoradio), auf dem Camping ins Ostia. Das ist der Hafen von Rom, und früher bei dem Römern hat das auch gut funktioniert, wie man weiss. Heute ist der Porto Touristik eher so ein Campingplatz auf dem Wasser. Zum Glück durfte ich mir das zwar anschauen, muss aber nicht da bleiben. Das wäre mir zu eng und zu viel Noblesse des Geldes, das stinkt wie das Wasser, in dem die Kähne liegen. Ich hatte das Vergnügen, weil es dort den einzigen Waschsalon mit Sonntagsöffnung in Ostia gibt. Ganz praktisch, wenn man sauber dort wieder rauskommt und nicht dort bleiben muss, weil man mit einer Jacht nun mal nicht, zum Beispiel in die Toskana auf den Berg fahren kann.

Kein Lufthauch also auf dem Landschiff-Platz, aber mein Blech musste ich mal wieder mit Mückenabwehrschutz versehen, damit ich hier heil wieder rauskomme. Wichtig und richtig ist zum Beispiel, dass die alle spinnen, die Römer. Also fast alle, ein paar nette haben wir hier schon getroffen. Und wie ich höre, wird mir auch der Spaß nicht gegönnt, wie eine römische Galeere aus Blech durch die Stadt zu cruisen, so dass wir nun zwar nach Rom gefahren sind, weil nunmal alle Straßen nach Rom führen, aber nicht wirklich in Rom sind, weil alle Römer zu uns nach Ostia kommen. Möge Ihnen der Himmel nicht auf dem Kopf fallen. Den netten Römern zumindest.

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